InFamily, Lifestyle

Wenn Kinder nicht Essen „wollen“

Eins der heikelsten Themen für Eltern ist wohl die Ernährung ihrer Kinder. Es fängt bereits beim Stillen bzw. Flasche geben an, geht weiter bei der Diskussion um Gläschen oder Babyledweaning und endet in Debatten, ob und ab wann Kinder überhaupt selbst in der Lage sind, über Menge und Art des Essens zu bestimmen.

Alte Glaubenssätze holen auch moderne, junge Familien ein und Sorgen für hohen Druck
Alte Glaubenssätze holen auch moderne, junge Familien ein und Sorgen für hohen Druck

Die Vergangenheit holt viele ein!

Viele Eltern haben als Kind selbst schlechte Erfahrungen mit dem Thema Essen gemacht. Ich musste bspw. mit meinem vollen Teller in mein Zimmer gehen und durfte dieses erst wieder verlassen, als der Teller leer war. Sicherlich habe ich dadurch vieles gelernt, aber ein gesunder Umgang mit Essen gehört definitiv nicht dazu. Auch das Vertrauen zu meinen Eltern bzw meinem Vater wurde dadurch alles andere als gestärkt. Ich kann mich – zum Glück – nur an eine dieser Situationen erinnern. Vielleicht, weil es nur diese eine gab und ich im Anschluss mein Verhalten angepasst habe. Vielleicht aber auch, weil die anderen Situationen aus Selbstschutz sehr weit unten in meinem Gedächtnis begraben liegen.

Doch auch, wenn man als Kind selbst solche Erfahurgen gemacht hat, schützt das nicht vor einem falschen Umgang mit den eigenen Kindern. Viele Traumata treten erst ins Bewusstsein, wenn man selbst in einer Situation falsch reagiert hat und erst danach kann man an seinen eigenen Problemen arbeiten. Es ist daher sehr wichtig, dass man nicht an alten Gewohnheiten festhält, sondern immer wieder reflektiert und sich ggf. neu orientiert. Aber das betrifft natürlich nicht nur die Ernährung unserer Kinder, sondern jegliches Thema – im gesamten Leben!

Der Druck von Außen ist hoch!

Als unsere Tochter wenige Monate alt war, kamen wir selbst in die Situation, uns neu orientieren zu müssen. Unsere damalige Kinderärztin hatte uns empfohlen, abzustillen und Folgemilch zu füttern. Der Grund: Unsere Tochter war eine Perzentile nach unten gerutscht und bewegte sich nur knapp über Untergewicht.

Selbstverständlich bereitete uns diese Aussage große Sorgen, doch da unsere Tochter – bis auf ihr niedriges Gewicht – kerngesund war, haben wir uns intuitiv gegen den Rat der Ärztin entschieden. Ich stillte also weiter und wir vertrauten darauf, dass Muttermilch vorerst das Beste für unsere Tochter sei.

Leider hat uns diese Erfahrung und die frühe Konfrontation mit dem Label „Untergewicht“ nachhaltig aus der Bahn geworfen. So kam es, dass wir mit Beginn der Beikostzeit und dem Verweigern jeglicher fester Nahrung seitens unserer Tochter zunehmend nervöser wurden. Es kam des Öfteren dazu, dass wir unsere Tochter mit den üblichen Tricks à la „Ein Löffel für Mama“ oder „Hier kommt das Flugzeug“ zu wenigstens einem Happen überreden wollten. Auch laut wurden wir an der ein oder anderen Stelle, aus Sorge und Verzweiflung.

Die Wende kam, als ich in einer Stillgruppe endlich gleichgesinnte Eltern getroffen habe. Eltern, die ihre Kinder so angenommen haben, wie sie sind und den Druck durch die Außenwelt weitestgehend ignorierten. Besonders geholfen hat mir das Buch „Mein Kind will nicht essen“ von Carlos Gonzales. Darin wird deutlich gemacht, dass kein Kind an einem (gesund) gedeckten Tisch verhungern wird. Diese Gewissheit gab uns genügend Gelassenheit, unsere Tochter einfach machen zu lassen.

Alle Eltern meinen es eigentlich gut!

Alle Eltern möchten natürlich nur das Beste für ihre Kinder, darum bietet dieses Thema so viel Angriffsfläche. Entscheidet man sich selbst für den einen Weg, kann man nur schwer akzeptieren, dass für andere Eltern und deren Kinder vielleicht ein anderer Weg der bessere ist.

Ich empfehle euch daher an dieser Stelle nicht, es so oder so zu machen. Mein einziger Tipp: Vertraut auf eure Kinder! Solange medizinisch alles im Lot ist und ihr euren Kindern eine ausgewogene Auswahl an Speisen präsentiert, werden sie sich daraus das nehmen, was sie brauchen. Falls ihr Sorgen habt, wendet euch an Beratungsstellen. Oftmals sind Kinderärzte leider nicht die richtigen Ansprechpartner, da sie in vielen Fällen von der Babynahrungsindustrie unterstützt bzw. beraten werden (und deren Hauptinteresse ist nun mal der Absatz ihrer eigenen Produkte).

Entspannung ist zudem das A und O. Unterhaltet euch am Esstisch über den Tag, berichtet von euren Erlebnissen. Richtet den Fokus auf etwas anderes, als die Nahrungsaufnahme. Verschwindet der Druck vom Esstisch, kommt der Appetit oft von ganz alleine.

Erzählt mir in den Kommentaren gerne, wie ihr es handhabt und ob eure Kinder „gute Esser“ sind oder ihr euch oft Sorgen macht, dass sie nicht genug zu sich nehmen.

Alles Liebe – eure Danni

By
4

You may also like

4 Comments

  • keepmuh

    Unser vierjähriger verweigert Obst- und Gemüse komplett mit Ausnahme von Apfel, Bitne und Banane, dass aber auch nur so einmal im Monat im Kindergarten oder so. Ach doch, dieses 100% Frucht-Püree mag er zum Glück. Das gibts einmal täglich beim Sandmann. Das behalten wir auch bei, da es auch die einzige Möglichkeit ist, ihm mal ein Medikament zu geben wenn nötig. Ansonsten sind Soßen auch sehr heikel, rote Soßen gehen gar nicht und ansonsten nur ohne Stückchen. Also auch Gemüse untermogeln klappt nicht. Aber er ist top fit und ein Energiebündel… wir bieten auch immer wieder an. Gegessen wir meistens nur Beilage (Nudel, Reis, Kartoffel, Brot), Fisch und Fleisch.

    02/10/2019 at 20:36 Reply
    • Danni

      Vielen Dank für deine Nachricht und deine Erfahrungen zum Thema. Toll, dass ihr euch ganz nach eurem Sohn richtet und ihm freie Wahl beim Essen lasst! Sicherlich werden die ein oder anderen Eigenarten von ganz alleine verschwinden mit der Zeit! LG

      07/10/2019 at 09:26 Reply
  • Ann-Katrin

    Hallo,
    unsere Kleine ist 12 Monate alt und Brei oder Fingerfood war nur am Amfang interessant. Dann gab es Phasen, wo sie wieder fast nur gestillt wurde. Mittlerweile isst sie Brei, Früchte, Brot, unser Mittagessen, etc. , aber Muttermilch ist immer noch der Favorit. Ich habe allerdings nie versucht, ihr was unterzujubeln oder Ähnliches. Sobald sie nicht mehr wollte, gab es auch nichts mehr. Sie hat von Anfang an den Kopf dann weggedreht oder geschüttelt.
    Ich habe mir auch anfangs „Sorgen“ gemacht, dass sie so wenig andere Sachen isst. Aber die Kleinen wissen schon, was sie brauchen LG

    03/10/2019 at 14:08 Reply
    • Danni

      Hallo Ann-Kathrin, Danke für deine Nachricht! Auch für meine Kinder war Muttermilch ganz lange die Nummer 1. Es ist toll, dass du nicht versuchst, deine Tochter zu „betuppen“ und ihr keine Dinge unterschiebst. Kinder merken sowas sehr schnell und werden dann noch skeptischer. Alles Gute weiterhin und LG

      07/10/2019 at 09:28 Reply

    Leave a Reply